Zürich, 6. September 2018 – Die GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus und die GMS Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz, unterstützt vom Sigi und Evi Feigel-Fonds, ehren mit der 14. Verleihung des Nanny und Erich-Fischhofpreises dieses Jahr zwei Menschen, die sich für Minderheiten und Menschenrechte stark gemacht haben. Preisträger und die Preisträgerin taten dies – in sehr unterschiedlichen Kontexten – unter Aufbringung von enormer Zivilcourage.
Walter Kälin ist emeritierter Professor für Staats- und Völkerrecht an der Universität Bern. Er hat in Fribourg, Bern und Harvard studiert. Zu seinen aktuellen Forschungsschwerpunkten gehören der internationale Menschenrechtsschutz, die Rechte von Binnenvertriebenen sowie das Problem von Flucht und Migration im Kontext von Naturkatastrophen und Klimawandel. Er war als Experte für Bund, Kantone, internationale Organisationen sowie diverse NGOs tätig und berät heute in verschiedenen Ländern die UNO und Regierungen. Kälin wurde als erster Schweizer als unabhängiger Experte in den Menschenrechtsausschuss der UNO gewählt. Von 2004 bis 2010 war er Beauftragter des UNO-Generalsekretärs für die Menschenrechte von Binnenvertriebenen. Zudem war er 1990/91 Sonderberichterstatter der Menschenrechtskommission für das besetzte Kuwait. Zwischen 2011 und 2015 leitete er das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR) in Bern. Heute vertritt er als Gesandter der Präsidentschaft die intergouvernementale Plattform für Katastrophenvertreibung mit Sitz in Genf.
GRA und GMS würdigen mit der Auszeichnung Walter Kälins langjähriges Engagement für den internationalen Menschenrechtsschutz sowie für vertriebene oder geflüchtete Menschen weltweit.
Iluska Grass wurde 1990 geboren. Sie ist Grafikerin sowie Produkte- und Industriedesignerin. Zurzeit studiert sie an der Zürcher Hochschule der Künste «Ästhetische Bildung und Soziokultur». Iluska Grass war am Abend des 4. Juli 2015 Zeugin eines Zwischenfalls in Zürich-Wiedikon, wo ein orthodoxer Jude von einer Gruppe rechtsradikaler Männer angegriffen wurde. Als Iluska Grass das Opfer um Hilfe schreien hörte, rannte sie ohne zu zögern zum Tatort und stellte sich zwischen Täter und Opfer. Mit ihrem couragierten Handeln konnte sie das Opfer vor seinen Angreifern schützen und damit eine weitere Eskalation verhindern.
GRA und GMS würdigen mit der Verleihung des Fischhof-Preises Iluska Grass’ bewundernswerte Zivilcourage. Ihr vorbildliches und selbstloses Verhalten in einer gefährlichen Situation setzt ein starkes Zeichen zur Rolle des Einzelnen in einer funktionierenden Gesellschaft.
Der Nanny und Erich Fischhof-Preis in Höhe von CHF 25‘000 pro Preisträger/In wird an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich in der Bekämpfung von Rassismus im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen in der Schweiz verdient gemacht haben. Nanny Fischhof-Barth sel. (1901–1997) stiftete den Preis in Erinnerung an ihre Schwester, die durch Heirat mit einem Belgier den Schweizer Pass verlor, nicht mehr in ihre Heimat eingelassen und so als Jüdin durch die Nazis ermordet wurde. Gleichzeitig war sie dankbar, dass ein österreichischer Jude im Krieg in der Schweiz aufgenommen und so später ihr Ehemann wurde.
Die Preisverleihung findet am 19. November 2018 in Zürich statt.

