{"id":2736,"date":"2020-08-13T15:24:59","date_gmt":"2020-08-13T13:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/?p=2736"},"modified":"2020-08-13T15:24:59","modified_gmt":"2020-08-13T13:24:59","slug":"standpunkt-der-gms-zum-burkaverbot-en-allemand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/standpunkt-der-gms-zum-burkaverbot-en-allemand\/","title":{"rendered":"Standpunkt der GMS zum Burkaverbot (en allemand)"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Schweiz soll niemand in der \u00d6ffentlichkeit sein Gesicht verh\u00fcllen und niemand eine Person zwingen d\u00fcrfen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verh\u00fcllen. Das fordert die Initiative \u00abJa zum Verh\u00fcllungsverbot\u00bb, welche von SVP-nahen Kreisen eingereicht und vom Parlament und Bundesrat in der Sommersession zur Ablehnung empfohlen wurde. Dar\u00fcber wird es bald eine Volksabstimmung geben.<\/strong><\/p>\n<p>Der Gegenvorschlag zur sogenannten Burka-Initiative sieht vor, dass alle, die sich im \u00f6ffentlichen Verkehr oder bei Beh\u00f6rden identifizieren m\u00fcssen, die gesetzliche Pflicht haben, das Gesicht zu zeigen. Er fand in beiden R\u00e4ten eine Mehrheit, kommt als indirekter Gegenvorschlag aber nicht zur Abstimmung.<\/p>\n<p>Das Egerkinger Komitee um den SVP-Nationalrat Walter Wobmann zielt mit der Burka-Initiative nach der Minarettverbotsinitiative zum zweiten Mal auf die muslimische Gemeinschaft in der Schweiz. Diesmal geschieht es im Namen der Geschlechtergleichheit. Denn die Burka wird, wenn \u00fcberhaupt, ausschliesslich von muslimischen Frauen getragen. Es wird auf ein augenf\u00e4lliges und mit viel Symbolik aufgeladenes Kleidungsst\u00fcck gezielt, statt dass \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Diskriminierung und Ausschluss aufgrund des Geschlechts oder der kulturellen und religi\u00f6sen Herkunft gesprochen wird. Es wird eine Stellvertreterdebatte gef\u00fchrt, die sich gegen \u00abden Islam\u00bb in unserer Gesellschaft richtet. Statt Integrationsschranken beim Zugang zu Bildung, Arbeit und politischen Rechten abzubauen, reden die InitiantInnen lieber von einer angeblichen Integrationsunwilligkeit und Integrationsunf\u00e4higkeit der muslimischen Bev\u00f6lkerung. Sie orten das Problem im Islam, der mit unseren westlichen Werten inkompatibel sei. Es wird ein einseitiges und pauschales Bild eines patriarchalischen und frauenfeindlichen Islam gezeichnet, was gerade in der Schweiz so nicht der Realit\u00e4t entspricht.<\/p>\n<p>Wenn es den Initianten wirklich um die W\u00fcrde der Frau ginge, m\u00fcsste es ihnen aber um die W\u00fcrde aller Frauen in unserer Gesellschaft gehen. Sie haben sich aber nie f\u00fcr feministische Kampagnen gegen Sexismus in der Werbung, gegen die Pornografisierung von Frauenk\u00f6rpern zu Werbezwecken oder f\u00fcr griffige Gesetze gegen den Frauenhandel stark gemacht. Pauschal von der Unterdr\u00fcckung muslimischer Frauen auszugehen, wie dies das Egerkinger Komitee tut, ist Ausdruck eines Paternalismus, der den muslimischen Frauen keinerlei Handlungsmacht zuspricht. Zudem wird mit dem Burka-Verbot ein neues \u00abSondergesetz\u00bb f\u00fcr Musliminnen geschaffen.<\/p>\n<p>Die GMS propagiert das Tragen einer Burka in keiner Weise, weil sie die Freiheit der Frauen einschr\u00e4nkt. Es ist f\u00fcr die GMS auch ganz klar, dass keine Frau zur Verh\u00fcllung gezwungen werden darf. Wenn aber eine Frau, die hier lebt, entscheidet, dass sie sich, aus welchen Motiven auch immer, verschleiern will, dann muss unsere freiheitliche Rechtsordnung das zulassen. Der Staat darf nicht das Tragen bestimmter Kleidungsst\u00fccke verbieten und damit in die pers\u00f6nliche Freiheit der Menschen eingreifen. Die Initiative fokussiert zudem auf ein Problem, das in der Schweiz kaum existiert, verst\u00e4rkt aber die Vorurteile gegen muslimische Gruppen und f\u00f6rdert ein Klima der Intoleranz. Deshalb leiden religi\u00f6se Minderheiten oft an Ausgrenzung und Diskriminierung. Die umfassende Durchsetzung der Religionsfreiheit ist f\u00fcr alle gl\u00e4ubigen Menschen von grundlegender Bedeutung. Selbstverst\u00e4ndlich aber m\u00fcssen sich alle Religionen an der Respektierung der Menschen- und Frauenrechte messen lassen. Gerade was die Umsetzung der Frauenrechte anbelangt, sind die meisten Religionen schwer im Verzug.<\/p>\n<p>Die GMS k\u00e4mpft gegen die Instrumentalisierung von Frauenrechten als emotionale Mobilisierungsstrategie f\u00fcr eine fremdenfeindliche Politik. Wir unterst\u00fctzen Massnahmen, die das Selbstbestimmungsrecht von Frauen im Allgemeinen und der Migrantinnen im Besonderen sch\u00fctzen und f\u00f6rdern, sowie die Diskriminierung von religi\u00f6sen und anderen Minderheiten beheben. Da die Burka-Initiative all diesen Bem\u00fchungen zuwiderl\u00e4uft, bek\u00e4mpft sie die GMS, wie das alle anderen Schweizer Menschenrechtsorganisationen auch tun.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/oeffentlichkeitsarbeit\/standpunkte\/\">Zu den Standpunkten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz soll niemand in der \u00d6ffentlichkeit sein Gesicht verh\u00fcllen und niemand eine Person zwingen d\u00fcrfen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verh\u00fcllen. 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