{"id":2729,"date":"2020-08-13T15:19:51","date_gmt":"2020-08-13T13:19:51","guid":{"rendered":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/?p=2729"},"modified":"2020-08-13T15:23:33","modified_gmt":"2020-08-13T13:23:33","slug":"standpunkt-der-gms-zu-den-vorfaellen-in-den-usa-und-zu-polizeigewalt-und-rassismus-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/standpunkt-der-gms-zu-den-vorfaellen-in-den-usa-und-zu-polizeigewalt-und-rassismus-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Standpunkt der GMS zu den Vorf\u00e4llen in den USA und zu Polizeigewalt und Rassismus in der Schweiz (en allemand)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die j\u00fcngsten F\u00e4lle von Polizeigewalt an Afroamerikaner*innen in den Vereinigten Staaten ersch\u00fcttern die Welt. Erstmals werden die schrecklichen Morde, etwa an George Floyd oder Ahmaud Arbery, auf Video aufgezeichnet und so sichtbar gemacht. Unverh\u00e4ltnism\u00e4ssige Polizeigewalt an Menschen mit dunkler Hautfarbe ist in den USA allerdings kein neues Thema. Zusammen mit weiteren Erscheinungsformen strukturellen und systemischen Rassismus ist dies Ausfluss einer jahrhundertlangen Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Segregation. Die systematische und legalisierte Unterdr\u00fcckung von People of Color zu Gunsten von weissen Privilegien hat noch heute Auswirkungen, sei es etwa durch breite Chancenungleichheit oder sonstige Benachteiligungen und Diskriminierungen. Obwohl die <em>Black Lives Matter<\/em> Bewegung bereits vor sieben Jahren ins Leben gerufen wurde, hat Polizeigewalt an Menschen mit dunkler Hautfarbe in Amerika sogar noch zugenommen.<\/strong><\/p>\n<p>Die GMS zeigt Solidarit\u00e4t mit <em>Black Lives Matter<\/em> und verurteilen die Ereignisse in den USA auf das H\u00f6chste. Polizeigewalt, struktureller und systemischer Rassismus sind jedoch nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und der Schweiz gegenw\u00e4rtig. Die Schweiz hat ihre eigene politische und gesellschaftliche Realit\u00e4t, in der Rassismus gegen People of Color und andere Minderheiten leider auch ein Thema ist. Der Bericht der <em>Eidgen\u00f6ssischen Kommission gegen Rassismus EKR<\/em> und <em>humanrights.ch<\/em> zu Rassismusf\u00e4llen aus der Beratungspraxis meldet f\u00fcr das Jahr 2019 insgesamt 352 Beratungsf\u00e4lle. Es versteht sich von selbst, dass diese F\u00e4lle nur die \u00abSpitze des Eisbergs\u00bb der rassistischen Vorf\u00e4lle in der Schweiz darstellen. Der Bericht verdeutlicht, dass auch in der Schweiz Rassismus gegen Schwarze (132 F\u00e4lle) neben dem generellen Motiv Ausl\u00e4nder- und Fremdenfeindlichkeit (145 F\u00e4lle) das meist genannte Diskriminierungsmotiv ist. Darauf folgt das Motiv der Muslimfeindlichkeit mit 55 F\u00e4llen. Auch der <a href=\"https:\/\/www.gra.ch\/einschaetzung\/\">Rassismusbericht<\/a> der GRA best\u00e4tigt diese Einsch\u00e4tzung: In der Mehrheit der von der GRA registrierten rassistischen Vorf\u00e4lle wurden dunkelh\u00e4utige Menschen sowie Musliminnen und Muslime beschimpft, benachteiligt oder bedroht. Im letzten Jahr wurde ausserdem eine Zunahme rechtsextremer Vorf\u00e4lle festgestellt, wobei es bis zu verbalen und physischen \u00dcbergriffen auf einen Schwarzen Jugendlichen gekommen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Schweiz verzeichnet F\u00e4lle \u00fcberm\u00e4ssiger Polizeigewalt an Menschen mit dunkler Hautfarbe. So sind zwischen 2016 und 2018 drei F\u00e4lle bekannt, in denen dunkelh\u00e4utige Personen den Folgen von unverh\u00e4ltnism\u00e4ssiger Polizeigewalt erlagen. Die Untersuchungen der Vorf\u00e4lle sind derzeit noch am Laufen. H\u00e4ufiger als \u00fcberm\u00e4ssige Polizeigewalt sind jedoch F\u00e4lle von Racial Profiling (diskriminierende, verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrolle durch Polizei, Bahnpolizei oder Grenzwachtkorps einzig oder prim\u00e4r aufgrund gruppenspezifischer Merkmale wie Hautfarbe, Sprache, Religion oder ethnischer Herkunft). Solche Kontrollen werden von den betroffenen Personen h\u00e4ufig als dem\u00fctigend empfunden. Obwohl die Kantone Bern, Basel und Z\u00fcrich bereits Massnahmen zur \u00dcberwachung von Racial Profiling durch die Polizei ergriffen haben, gibt es in der Schweiz noch zu wenig Unterst\u00fctzung f\u00fcr Betroffene von Racial Profiling.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rassismus tritt jedoch nicht nur in Form von Polizeigewalt oder Racial Profiling auf, sondern hat vielf\u00e4ltige, nicht minder verletzende Erscheinungsformen. Subtiler, unterschwelliger Rassismus schlummert im Alltag. So muss eine Person m\u00f6glicherweise merken, dass sie wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihres \u00abausl\u00e4ndisch\u00bb klingenden Namens Schwierigkeiten auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt hat. Wie der Bericht der EKR aufzeigt, findet rassistische Diskriminierung am meisten in der \u00d6ffentlichkeit oder in der Arbeitswelt statt. Doch auch in der Schule, in der Nachbarschaft, im \u00f6ffentlichen Verkehr, in der Freizeit oder in der \u00f6ffentlichen Verwaltung findet sich struktureller und systemischer Rassismus wieder. So werden etwa Menschen wegen ihres Aussehens bei einem Beh\u00f6rdenbesuch unfreundlicher und schlechter behandelt. Auch sehr subtile Formen von Rassismus sind verletzend, etwa wenn der Platz neben einem People of Color im Bus frei bleibt, obwohl alle anderen Pl\u00e4tze besetzt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die GMS stellt jeder Angriff auf eine Minderheit auch ein Angriff auf die demokratischen Werte unserer Gesellschaft dar. Genauso wie in den USA gilt auch in der Schweiz, dass von Rassismus Betroffenen Menschen der Zugang zu Gerechtigkeit erm\u00f6glicht und erleichtert werden muss. Leider fehlen auch in der Schweiz immer noch stellenweise langfristige Strategien zur Umsetzung des Diskriminierungsschutzes. Es muss unbedingt in Ausbildung, Sensibilisierung und Pr\u00e4vention investiert werden. Wichtig ist, dass ein offener und sachlicher Dialog gef\u00fchrt und gef\u00f6rdert wird. Ein Beispiel f\u00fcr einen solchen Dialog ist etwa der Runde Tisch gegen Rassismus der Stadtpolizei Z\u00fcrich, an dem die GMS und die GRA regelm\u00e4ssig teilnehmen. Am Runden Tisch werden unter anderem L\u00f6sungen f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Racial Profiling diskutiert und Begegnungsm\u00f6glichkeiten zwischen Interessensgruppen geschaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welchen Beitrag kann ich als Mitglied der Gesellschaft leisten, um Rassismus den Kampf anzusagen? Hier, einige Vorschl\u00e4ge: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Betroffenen zuh\u00f6ren und Raum lassen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Empathie zeigen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Mich informieren<\/strong><\/li>\n<li><strong>Selbstreflexion: Eigenes Verhalten hinterfragen, eigene Vorurteile erkennen und abbauen. Verantwortungsvoll und aktiv entscheiden, wie mit Stereotypen umzugehen ist und was ich dagegen tun kann<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ansprechen, aufzeigen und verurteilen: Zivilcourage zeigen und vorbildlich handeln, besonders bei Alltagsrassismus. Zum Beispiel eine Aussage oder Reaktion hinterfragen und f\u00fcr Minderheiten (Mitmenschen!) einstehen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den <a href=\"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/oeffentlichkeitsarbeit\/standpunkte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Standpunkten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten F\u00e4lle von Polizeigewalt an Afroamerikaner*innen in den Vereinigten Staaten ersch\u00fcttern die Welt. Erstmals werden die schrecklichen Morde, etwa an George Floyd oder Ahmaud Arbery, auf Video aufgezeichnet und so sichtbar gemacht. Unverh\u00e4ltnism\u00e4ssige Polizeigewalt an Menschen mit dunkler Hautfarbe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2011,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false},"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729\/"}],"collection":[{"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/"}],"about":[{"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post\/"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3\/"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments\/?post=2729"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729\/revisions\/"}],"predecessor-version":[{"id":2735,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729\/revisions\/2735\/"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2011\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/?parent=2729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories\/?post=2729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags\/?post=2729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}