{"id":2112,"date":"2018-10-15T16:45:27","date_gmt":"2018-10-15T14:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gms-minderheiten.ch\/?p=2112"},"modified":"2018-10-15T16:47:51","modified_gmt":"2018-10-15T14:47:51","slug":"interview-mit-mo-diener-der-neuen-vertreterin-der-roma-im-gms-vorstand-durchgefuehrt-von-cecile-buehlmann-vizepraesidentin-der-gms","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.gms-minderheiten.ch\/fr\/interview-mit-mo-diener-der-neuen-vertreterin-der-roma-im-gms-vorstand-durchgefuehrt-von-cecile-buehlmann-vizepraesidentin-der-gms\/","title":{"rendered":"[en Allemand] Interview mit Mo Diener, der neuen Vertreterin der Roma im GMS-Vorstand, durchgef\u00fchrt von C\u00e9cile B\u00fchlmann, Vizepr\u00e4sidentin der GMS"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Mo Diener, der neuen Vertreterin der Roma im GMS-Vorstand, durchgef\u00fchrt von C\u00e9cile B\u00fchlmann, Vizepr\u00e4sidentin der GMS<\/strong><\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0liebe Mo Diener, Sie sind neu in den Vorstand der GMS gew\u00e4hlt worden. K\u00f6nnen Sie sich den Leserinnen und Lesern des Newsletters kurz vorstellen?<\/p>\n<p><strong>M.D:<\/strong>\u00a0Ich bin K\u00fcnstlerin f\u00fcr Performance und Medienkunst. Seit 5 Jahren arbeite ich in einem Kollektiv, dem Roma Jam Session Art Kollektiv. Zur Zeit arbeite ich fix mit 2 K\u00fcnstlern, die aus dem Balkan kommen und seit mehr als 20 Jahren hier in der Schweiz als eingeb\u00fcrgerte Roma leben. Durch meine Familiengeschichte habe ich den Fokus meiner bisherigen k\u00fcnstlerischen Arbeit ge\u00f6ffnet und bet\u00e4tige mich jetzt auch als politische Aktivistin f\u00fcr die Romafrage. Die Roma sind n\u00e4mlich nicht ein Problem, sondern ein Potential f\u00fcr die Gesellschaft. Das m\u00f6chte ich in meinen Projekten zeigen und darstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0Sie sind als Romavertreterin in den GMS-Vorstand gew\u00e4hlt worden. Wie ist ihr Verh\u00e4ltnis zu andern Roma oder Roma-Organisationen in der Schweiz?<\/p>\n<p><strong>M.D:<\/strong>\u00a0Es gibt Organisationen, mit denen ich enge Kontakte und einen regen Austa\u00a7usch habe und einige Roma, mit denen ich gerne arbeite und politische Diskurse f\u00fchre. Eine davon ist die Rroma Foundation, die ich sehr sch\u00e4tze, weil sie sehr seri\u00f6se Arbeit macht. Es gibt Romano Dialog, mit denen ich Kontakt habe \u00fcber das Radio. Dann gibt es verschiedene Vertreter von Romanovision, mit denen ich immer wieder den Austausch pflege.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0Als GMS interessiert es uns, wie der Entscheid des Bundesrates vom 1.6.18, die Roma nicht als Nationale Minderheit zu anerkennen, bei Ihnen angekommen ist.<\/p>\n<p><strong>M.D:\u00a0<\/strong>Das ist wie ein schlechter Witz! Sinti und Roma sind ja zusammen mit den Jenischen im Rahmenabkommen von 1996 erw\u00e4hnt worden und da waren sie alle unter dem Namen \u201eFahrende\u201c aufgef\u00fchrt worden und sollten gesch\u00fctzt werden. Die Argumente, mit welchen die Roma dieses Jahr abgelehnt worden sind, sind nicht zeitgem\u00e4ss. Offenbar f\u00fcrchtet der Bundesrat weitere Forderungen anderer Minderheiten auf Anerkennung, wenn diese den Roma gegeben worden w\u00e4re. Diese Unterst\u00fctzung w\u00fcrde etwas kosten, das f\u00fcrchtete man offensichtlich. Sachlich gibt es kaum Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Ablehnung, das hat viele meiner Freunde sehr entt\u00e4uscht, Hoffnungen sind zerbrochen. Wir geben aber nicht auf. Bundesrat Cassis hat nach der Ablehnung des Bundesrates in einem Brief an uns vorgeschlagen, mit dem EDI und Bundesrat Berset zu sprechen. Dieses Meeting versuchen wir jetzt zu organisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese Aufspaltung von Sinti und Roma? Die Sinti haben die Anerkennung als Nationale Minderheit erhalten, die Roma nicht.<\/p>\n<p><strong>M.D:<\/strong>\u00a0Das ist eine lange Geschichte! Ich bin keine Spezialistin, aber soviel ich weiss, gibt es ein paar Familien von Sinti und Jenischen, die seit Generationen miteinander leben, verheiratet sind und ihre zum Teil fahrende, zum Teil nicht fahrende Lebensweise hat miteinander funktioniert. Solche Verbindungen gibt es selbstverst\u00e4ndlich genauso zwischen Roma und Sinti. Es scheint, dass die Verst\u00e4ndigung zwischen Jenischen und Roma in letzter Zeit nicht so gut funktioniert, auf den Durchgangspl\u00e4tzen und \u00fcberhaupt. Das ist sehr seltsam, denn fr\u00fcher war das anders. Die Sinti sind Roma, d.h. Roma ist ja der \u00dcberbegriff f\u00fcr viele Gruppen mit verschiedenen Bezeichnungen. Die Sinti geh\u00f6ren also zu den Roma, die Manouche als franz\u00f6sische Sinti \u00fcbrigens auch. Sie sprechen die gleiche Sprache. Diese Spaltung findet man tendenziell auch in Deutschland, was bestimmte Traditionen betrifft. Dar\u00fcber gibt es Diskussionen. Es gibt aber in den Hauptlinien viele Gemeinsamkeiten, besonders was die Vertretung der Interessen dieser Gruppierungen gegen\u00fcber dem Staat betrifft. Da arbeitet man zusammen. Ganz ungl\u00fccklich ist es in der Schweiz gelaufen, weil dieses ratifizierte Rahmenabkommen ohne R\u00fccksprache mit den Roma neu formuliert wurde und zu einer Nichtakzeptanz der Roma gef\u00fchrt hat. Man darf nicht vergessen, es geht ja nicht um die rechtliche Anerkennung, sondern um die kulturelle und da w\u00e4re es doch keine Gefahr gewesen, dem Zuspruch zu geben. Ich bin der Ansicht, dass sich Minderheiten auf jeden Fall unterst\u00fctzen sollten in der Position dem Staat gegen\u00fcber. Das wurde leider nicht sichtbar an diesem 1. Juni 2018.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0Was sind Ihre Erwartungen an die Zusammenarbeit im Vorstand der GMS?<\/p>\n<p><strong>M.D:<\/strong>\u00a0Ich bin sehr gespannt, neugierig, offen. Ich habe nat\u00fcrlich viele Ideen und bringe Ideen von meinen Freunden mit. Bei uns taucht immer wieder die Frage auf, warum es keine R\u00e4ume f\u00fcr Roma gibt, keine Orte, wo sie sich treffen, kulturell bet\u00e4tigen k\u00f6nnen. Die Anerkennung h\u00e4tte bedeutet, von staatlicher Seite Initiativen zu f\u00f6rdern. Jetzt von nicht staatlicher Seite anzufangen, diese Initiativen Schritt f\u00fcr Schritt umzusetzen, w\u00e4re wichtig. Die Anerkennung der Sprache k\u00f6nnte ein gr\u00f6sseres Thema werden. Ein ganz grosser Wunsch ist, ein Kulturzentrum f\u00fcr Roma zu gr\u00fcnden, einen Ort zu haben, um sich zu treffen, f\u00fcr Kulturereignisse oder um die Sprache zu leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C.B:<\/strong>\u00a0Liebe Mo Diener, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen im GMS-Vorstand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Mo Diener, der neuen Vertreterin der Roma im GMS-Vorstand, durchgef\u00fchrt von C\u00e9cile B\u00fchlmann, Vizepr\u00e4sidentin der GMS C.B:\u00a0liebe Mo Diener, Sie sind neu in den Vorstand der GMS gew\u00e4hlt worden. 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